Porträt Jannik Fröhlich

Kulturkopf | Jannik Fröhlich

Jannik Fröhlich richtet seit 2022 in Hannover das gefeierte und europaweit einmalige internationale Schlagzeugfestival Überschlag aus. In seiner zweiten Rolle als Referent der Musikland Niedersachsen gGmbH berät und vernetzt er Musikschaffende aus dem gesamten Bundesland. Erfahren Sie mehr über diesen engagierten Kulturkopf.
Jannik Fröhlich moderiert einen Talk beim Überschlag Festival

Netzwerker und Berater für Musikschaffende in Niedersachsen

Jannik Fröhlich stärkt professionellen Musikschaffenden in Niedersachsen den Rücken. Als Referent für Musikkultur und Musikwirtschaft bei der Musikland Niedersachsen gGmbH, der niedersächsischen Servicestelle für das professionelle Musikleben, ist er ihr erster Ansprechpartner, wenn es um alle Fragen rund um die Förderung und Projektrealisierung oder die Orientierung in der Musikkultur und Musikwirtschaft im Bundesland geht. Über Genre- und Spartengrenzen hinweg treibt das Musikland-Team die Vernetzung der Musikszene voran. Unter dem Motto Einfach Machen! hilft Jannik Fröhlich dann zum Beispiel dabei, aus Ideen Projekte werden zu lassen, die richtigen Förderpartner zu finden und vom groben Projektplan zur gefeierten Veranstaltung zu gelangen.
Impression des Überschlag – Internationales Schlagzeug Festival 2022 in Hannover. <br/>Musikfestival gefördert von der Stiftung Niedersachsen

Musiker und Festivalmanager

Expertise, die Jannik Fröhlich nicht nur durch sein Kulturmanagementstudium an der Leibniz Universität Hannover erworben hat, sondern auch durch eigene Praxiserfahrung. Seit 2022 richtet der studierte Schlagzeuger gemeinsam mit Philipp Kohnke, 1. Schlagzeuger an der Staatsoper Hannover, das biennale internationale Überschlag Festival in Hannover aus. Das erste Schlagzeugfestival im deutschsprachigen Raum begeisterte bei seiner Premiere 2022 das Publikum und findet 2026 zum dritten Mal statt. Vom 19. bis 23. August sind mehr als 15 Konzerte, Performances, Workshops, Installationen und Begegnungsformate geplant. Dazu kommen Künstler*innen aus ganz Europa, Afrika, Japan und den USA nach Hannover. Beim Eröffnungskonzert am 19. August verwandeln sechs Musiker*innen Holzbohlen, Raum und Rhythmus in ein intensives, immersives Klangerlebnis. Zum Abschluss wird mit ONE CITY. ONE PULSE. am 23. August um 16.00 Uhr ein großes partizipatives Open-Air-Projekt auf dem Ballhofplatz in der Altstadt ausgerichtet, bei dem Publikum, Musikschüler*innen und professionelle Musiker*innen gemeinsam zu einem riesigen Rhythmus-Ensemble werden.
Filmstill Aftermovie Überschlag-Festival 2024

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Aftermovie zum Überschlag Festival 2024
Impression des Überschlag Festival 2024 – Jannik Fröhlich moderiert

Interview mit Jannik Fröhlich

Kurz gesagt: Wir sind die zentrale Anlaufstelle für alle, die in Niedersachsen professionell im Musikbereich arbeiten. Wir arbeiten genreübergreifend mit Veranstalter*innen, Soloselbstständigen Musiker*innen, Bands, Musikunternehmen und vielen weiteren. Wir unterstützen die niedersächsische Musiklandschaft nicht durch finanzielle Förderung, sondern indem wir Menschen vernetzen, Wissen bündeln und vermitteln und Strukturen aufbauen. Musikschaffende haben die Möglichkeit an unseren Fachtagungen, Workshops oder Projekten teilzunehmen oder sich ganz individuell beraten zu lassen. Wer Fragen zu seinen Veranstaltungen oder Musikprojekten hat, kann sich jederzeit bei uns melden. Dabei ist uns vor allem Nahbarkeit und eine schnelle Erreichbarkeit wichtig. Auch online findet man Unterstützung: In unserem ‚Förderatlas‘ findet man eine stets aktuell gehaltene Datenbank über Finanzierungsmöglichkeiten, die ‚Musik.Orte‘-Karte zeigt Spielstätten und Festivals in ganz Niedersachsen und über unsere digitale Community mukco halten wir über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden.
Obwohl ich schon lange im niedersächsischen Musikbereich arbeite, bin ich immer wieder überrascht, wie viele unentdeckte Akteur*innen unser Bundesland noch zu bieten hat. Genau das macht die Musikkultur hier aus: dezentrale und vielfältige Veranstaltungen, die sich mitunter auch auf sehr spezielle Musikformen fokussieren. Aber auch in unseren urbanen Zentren wird viel geboten. Städte wie Hannover oder Osnabrück haben innovative, lebendige Szenen in Jazz, Rock, Pop sowie Klassik und entwickeln sich beständig weiter.
Ideengeber war Philipp Kohnke, Schlagzeuger im Niedersächsischen Staatsorchester Hannover. Er hatte diese Idee mehrere Jahre mit sich herumgetragen. Wir kannten uns aus der hannoverschen Schlagzeugszene – ich war auch häufiger im Staatsorchester als Aushilfe engagiert. Als er mir von der Idee eines internationalen Schlagzeugfestivals in Hannover erzählte, war ich sofort begeistert. Ziemlich direkt bin ich in das Projekt eingestiegen und habe mich unter anderem um die Beantragung von Fördermitteln und die Vereinsgründung gekümmert. Gemeinsam mit anderen Mitstreiter*innen haben wir dann die erste Ausgabe 2022 erfolgreich über die Bühne gebracht und führen seit 2022 mit einem gleichbleibenden Kernteam diese Arbeit fort.
Besonders freue ich mich über die erneute Bandbreite des Programms. Philipp Kohnke schafft es als künstlerischer Leiter immer wieder, überraschend vielfältige und überzeugende Konzerte zu kuratieren. Aus 24 Ländern werden dieses Jahr die Musiker*innen kommen. So international war das Programm noch nie! Wer unser Festival noch nicht kennt, macht auf jeden Fall mit den 20 Uhr Hauptkonzerten nichts verkehrt. Zum Beispiel mit der Formation OPERcussion – Latin meets Bach mit einem sechsköpfigen Ensemble, dem Ausnahmekünstler Simone Rubino – er spielt Marimbaphon und singt selbst dazu Countertenor–, oder dem mehrfach GRAMMY nominierten Komponisten und Schlagzeuger Andy Akiho aus den USA.
Auch die kleineren Formate sind sehr vielfältig und bieten überraschende Facetten. Ein genauer Blick auf unser Programm lohnt in jedem Fall.
An der niedersächsischen Förderung schätze ich besonders die große Offenheit gegenüber neuen Projektideen. Sie hält unsere Musiklandschaft lebendig und in Bewegung. Obwohl die Zeiten derzeit herausfordernd sind, bemüht man sich vonseiten der Förderer sehr darum, bewährte Strukturen zu erhalten und zugleich neue Akzente zu setzen – eine überaus anspruchsvolle Aufgabe.

Für die Zukunft wünsche ich mir eine noch stärkere Loslösung von starren Genregrenzen sowie ein Überdenken traditioneller Förderinstrumente. Zwar hat sich hier in den vergangenen Jahren bereits viel Positives bewegt, dennoch sehe ich großes Potenzial darin, neue Entscheidungsgrundlagen und flexiblere Mechanismen zu definieren. So ließe sich ein zeitgemäßer Qualitätsstandard etablieren, der sich deutlich weniger an überholten Kategorien orientiert. Ein Blick in andere Länder zeigt, dass man dort in dieser Hinsicht oft schon einen Schritt weiter ist – was letztlich dazu führt, dass neue und innovative Musikformen viel stärker ermöglicht und dynamischer gefördert werden.