Impression der Produktion „Passable” von und mit Zufit Simon

Kulturkopf | Zufit Simon

Zufit Simon prägt seit vielen Jahren die freie Tanzszene in Deutschland. Die Choreografin eröffnet am 23. April das Best OFF Festival Freier Theater mit der Premiere von „The Fight Club”, einer Tanzperformance über die Ästhetik des Kampfes.

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„In herausfordernden Zeiten die Choreografin der Stunde”

Die gebürtige Israelin, Zufit Simon, geboren 1980, kam vor 25 Jahren zum Studium nach Deutschland und blieb. Sie produziert zwischen Berlin, München und Braunschweig eindrückliche Tanzperformances. Für ihre künstlerische Arbeit wurde ihr 2025 der Tanzpreis der Stadt München verliehen. Die Jury beschrieb Zufit Simon als Ausnahmekünstlerin, die „in herausfordernden Zeiten die Choreografin der Stunde” ist.

Am 23. April 2026 wird Zufit Simon nun mit der Uraufführung von „The Fight Club” die achte Ausgabe des Best OFF Festivals Freier Theater der Stiftung Niedersachsen eröffnen. Die Tanzperformance zur Körpersprache von Angriffslust, Machtspielen und Gewalt ist die dritte Produktion der Choreografin, die sich mit körperlichen Formen des Protests befasst.

Impressionen der Produktion Bodies in Rebellion

Von Codes des Cheerleadings und der Inspiration von Boxclubs

Für die erste Produktion „Radical Cheerleading” nutzte Zufit Simon Codes des Cheerleadings, um empowernde Botschaften auf die Bühne zu bringen. Beim Best OFF Festival Freier Theater erhielt sie dafür 2024 den Festivalpreis und wurde für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert. In der Nachfolgeproduktion „Bodies in Rebellion” standen protestierende, rebellische Körper im Zentrum, Körper, die machtvoll agieren, aber offen und angreifbar sind. Welche Kreativität lässt sich im körperlichen Ausdruck entfesseln, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten und den Fokus auf die eigene Botschaft zu lenken?

„The Fight Club” wird hier anknüpfen. Inspiriert vom Bild des Boxclubs – einem verborgenen, ritualisierten Raum männlicher Selbsterprobung – entsteht ein performativer Raum, eine Art Ring, der Körperbilder, Machtverhältnisse und Geschlechterstereotype befragt und dekonstruiert. Es ist ein Stück über den Kampf – als Akt des Widerstands, als Ritual der Selbstbehauptung und als Möglichkeit, neue Gemeinschaften zu erfinden.

Impressionen der Produktion Passable, not Presentable

Porträt der Choreografin Zufit Simon

Fünf Fragen an Zufit Simon

Über den Preis des Festivals Best OFF habe ich mich sehr gefreut! Seit mehreren Jahren bin ich in Niedersachsen tätig, der Preis bedeutete für mich Anerkennung für meine künstlerische Arbeit und darüber hinaus. Die Auszeichnung der Produktion „Radical Cheerleading“ war für mich ein Zeichen, wie wichtig es ist, unsere Körper, Stimmen und Bewegungen zu benutzen, um herausfordern, zu hinterfragen und zu protestieren. Unsere Teamzusammensetzung war sehr international und sehr divers, der Festivalpreis bedeutete für mich auch, dass Vielfalt und Heterogenität eine Qualität sind, die so gewürdigt wurden.
Mit der Produktion „The Fight Club“ lade ich das Publikum ein, einen anderen Blickwinkel auf Gewalt, Aggression, Widerstand und auf die Lust an Gewalt zu werfen. Das Publikum sitzt rundherum, in einer Art Arena, und die Bühne ist ein Ring.
Das Ensemble besteht aus einem internationalen Team: vier Tänzer*innen, ein Musiker, ein Lichtdesigner und eine Kostümbildnerin. Mit den meisten arbeite ich schon länger, über mehrere Jahre hinweg. Ich bin sehr froh und dankbar über die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Team die Arbeit zu vertiefen, mit unterschiedlichen Menschen zu arbeiten und gleichzeitig eine vertraute Basis zu haben, auf der ein künstlerischer Austausch stattfinden kann.
Ich beschreibe mich selbst nicht unbedingt als radikal. Und Feministin? Das ist auch eine Frage der Definition – ob man so lebt, wie man denkt, oder ob man so denkt, wie man lebt. Ich sehe die Bühne als eine Plattform, um Dinge zu hinterfragen, infrage zu stellen oder mit der eigenen Definition zu konfrontieren – aber ohne eine klare Botschaft oder Schlussfolgerung zu geben. Das überlasse ich dem Publikum: Sich zu konfrontieren, sich eigene Gedanken zu machen und selbst nach einer Antwort zu suchen. Und manchmal gibt es auch keine Antwort.
In Niedersachsen waren die artblau Tanzwerkstatt in Braunschweig und das dortige LOT-Theater wesentliche Produktions- und Distributionsorte. Dort habe ich meine Arbeiten entwickelt und sehr häufig uraufgeführt. Der Wegfall (durch Nichtförderung oder Insolvenz) dieser nicht nur für mich, sondern für die gesamte freie Szene wichtigen Infrastruktur bedeutete einen herben Verlust an Planungssicherheit und Unterstützung. Von daher habe ich diese Entwicklung nicht wirklich begrüßt. 
Es ist etwas schwierig, die Tanzszene in Niedersachsen zu beschreiben, weil Niedersachsen aus vielen verschiedenen Städten mit unterschiedlichen Arbeitsstrukturen besteht. Ich finde es aber schön zu beobachten, wie die Zahl der Zuschauer*innen steigt und wie ein immer größeres Interesse an Tanz und Performance entsteht.

Vielen Dank und toi, toi, toi für die Premiere von „The Fight Club”!