Der Museumseingang des Moor- und Fehnmuseums

Kulturort | Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn

Das Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn wurde 1986 gegründet und ist heute ein überregional bekanntes und anerkanntes Spezialmuseum zum Thema Moor unter den Aspekten Moorkultivierung, Naturkunde, Archäologie, Siedlungsgeschichte, Wirtschafts- und Technikgeschichte und Naturschutz. Wir stellen den spannenden Kulturort und sein neues Ausstellungshighlight vor.

Direkt zur Museumswebsite unter www.fehnmuseum.de
Ansicht des Freigeländes des Moor- und Fehnmuseums Elisabethfehn

Ein besonderes Museum zur Natur- und Kulturlandschaft Nordwestdeutschlands

Am letzten intakten Fehnkanal Deutschlands liegt in Elisabethfehn im historischen Kanalwärterhaus das Moor- und Fehnmuseum. Das Museum widmet sich der Geschichte der für Nordwestdeutschland typischen Hochmoorkultivierung, der Moornutzung und der besonderen regionalen Fehnkultur (Fehn = Niederdeutsch für Moor). Im Museumsgebäude wird das Leben im, trotz, vom und mit dem Moor erfahrbar. Auf der Freifläche von rund 15.000 qm sind weitere historische, soziale, technikgeschichtliche sowie naturkundliche und ökologische Aspekte des Torfabbaus erlebbar. Ausgestellt sind beeindruckende Großmaschinen der industriellen Torfgewinnung und eine komplette Weißtorffabrik, Schiffe und eine Lokomobile, aber auch die ökologische Vielfalt und der Wert der Hochmoore im Moorlehrgarten mit über 90 typischen Pflanzenarten aus Hoch- und Niedermooren. Auf dem Aussichtsturm, dem sogenannten „Moorpegelplateau” wird sichtbar, wie hoch das Ostermoor früher war und wie viel Torf abgebaut wurde.
Die erneuerte Schleuse Osterhausen

Kulturdenkmal Fehnkanal

Der Elisabethfehnkanal, der direkt am Museum entlang verläuft, wurde zwischen 1855 und 1885 als Teil des Hunte-Ems-Kanals erbaut. Er verbindet auf einer Länge von knapp 15 km den Küstenkanal mit der Sagter Ems/Leda. Der Kanal ist 18 Meter breit und 1,5 Meter tief. Sieben Klappbrücken und vier manuelle Schleusen sind in seinem Verlauf eingebaut. Vom Landesamt für Denkmalpflege wurde dieser letzte intakte, das heißt schiffbare, Fehnkanal in seiner Gesamtheit als technisches Kulturdenkmal ausgewiesen.

Muttschiff Johanna und Schleuse Osterhausen

Zwei außergewöhnliche Sammlungsobjekte, die die Fehnkultur und den Elisabethfehnkanal anschaulich beleuchten, präsentiert das Moor- und Fehnmuseum seit dem 13. September 2026 in einer besonderen Inszenierung: Das nach historischen Plänen nachgebaute Muttschiff „Johanna” wird in der nachgebauten Elisabethfehnkanal-Schleuse Osterhausen als begehbare Installation erlebbar.

Das Plattbodenschiff „Johanna” wurde 2002 auf dem Gelände des Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn nach historischen Vorbildern erbaut. Die „Johanna” war viele Jahre als Museumsbotschafterin auf den Fehnkanälen der Region unterwegs. Das 14,80 Meter lange und rund 7 Tonnen schwere hölzerne Plattbodenschiff musste aufgrund hoher Wartungskosten allerdings die letzten Jahre an Land bleiben.

Die Schleuse Osterhausen, die nördlichste Kanalschleuse, wurde 2019 saniert und erneuert. Tore und Teile der Schleusenkammer der historischen, 150 Jahre alten Schleuse wurden dem Museum gestiftet. 

Die Schleuse und das Muttschiff „Johanna” wurden jetzt zu einem neuen Ausstellungshighlight an Land vereint. Auf einer Wiese vor dem Museum wurde die Schleuse mit den Originalteilen nachgebaut und um das Muttschiff aufgestellt. Dabei blieben Teile der Kammerwand und ein Schleusentor offen, um eine Begehung zu ermöglichen. Die Besucher*innen können so die Dimensionen, die Bauweise und das Material sehen. In die Bordwand des Muttschiffs wurden Sichtlöcher geschnitten, um die Torfladung und den Innenraum sichtbar zu machen. Eine Überdachung schützt das Ensemble vor der Witterung. Während der Museumsöffnungszeiten können Interessierte das Muttschiff in der Schleuse bei freiem Eintritt besichtigen.

Das Projekt wurde von der Stiftung Niedersachsen gefördert.
Die Museumsleiterin des Moor- und Fehnmuseums Elisabethfehn, Dr. Antje Hoffmann, lehnt an einer Landmaschine auf dem Freigelände des Museums

Drei Fragen an Antje Hoffmann, Museumsleiterin Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn

Antje Hoffmann: Sowohl Schleusen als auch Muttschiffe sind fundamentale Bestandteile der Kultivierung der großen Hochmoorflächen zwischen Hunte und Ems. Der Elisabethfehnkanal mit seinen Schleusen ermöglichte die systematische Entwässerung des Ostermoores. Die Kolonisten lebten zunächst vom Brenntorfhandel und waren, da es im Moor über viele Jahre noch keine Straßen gab, auf den Transport der Handelswaren per Plattbodenschiff angewiesen.

Daher sind sowohl die Bauteile der historischen Schleuse Osterhausen, eigentlich Baustellen-Abfall, als auch der Nachbau des Muttschiffs „Johanna“ aus dem Jahr 2002 (ein inklusives Projekt), ein Glücksfall für uns.
Beides sind Bauten aus Holz und weil sie vor der Witterung geschützt werden sollten, musste ein Dach drüber. Es lag nahe, sie „in situ“ zu präsentieren. Die Schleuse und das Projekt Muttschiff „Johanna“ bleiben in ihrer Bedeutung sichtbar und werden innerhalb dieser Installation zu einer dauerhaften Quelle einer attraktiven Wissensvermittlung.

Besonders schön ist dabei, dass die Arbeit der damaligen „Bootsbauer“ (geistig oder körperlich behinderte Mitarbeitende der Sozialen Werkstätten Altenoythe – Caritas Verein) erhalten bleibt.
Antje Hoffmann: Es gibt vier große Informationstafeln, die in chronologischer Abfolge angeordnet sind. Dadurch soll den Besucher*innenn eine Geschichte auf drei Ebenen erzählt werden:
Ebene 1: „Das Muttschiff“, Ebene 2: „Die Schleuse“ und Ebene 3: „Das Projekt“ (Muttschiff „Johanna“).

Der rote Faden der Geschichte ist „Reise, Reise ...“ (nach dem alten Marine-Weckruf) und zeigt auf allen drei Ebenen: 
a) die Reise eines Muttschiffs von der Kiellegung auf der Werft über Beladung und dem Passieren einer Schleuse bis hin zum Erreichen des Hafens;
b) die Reise der Schleuse vom Kanalbau über den Schleusenbetrieb bis zum Abbau und der Musealisierung;
c) die Reise des Projektes der Caritas von der Idee über den Bau der „Johanna“ bis zum jetzigen Standort des Schiffes.

Durch drei Sichtfenster kann man sich die Schiffsladung anschauen. In diesen Fenstern sieht man Torf, Baumaterial und Muschelschill, die wichtigsten Transportgüter der Torfschiffe. Ein viertes Fenster ermöglicht den Blick in den leeren Laderaum, so dass man hier auf die Schiffskonstruktion (Spanten, Bodenwrangen und Mastfuß) blickt. 

An fünf „mach-mit“-Orte laden wir die Besucher*innen eine, die gängigsten Knoten kennenzulernen und selber den Kreuzknoten, den Achterknoten, den Schotstek, den Palstek und den Belegen zu binden.
Antje Hoffmann: Welcher Architekt plant das erstmal umsonst, damit wir Fördergelder einwerben können?
Welche Stahlbaufirma stellt sich der Herausforderung aus dem stählernen Schleusen-„Abfall“ bezahlbar eine Schleusenkammer zu errichten und halten die Schleusentore und auch das Muttschiff nach jahrelangem Aufenthalt auf der Museumswiese, wenn sie per Schwerlastkran auf ihre Positionen gebracht werden? 
Aber all diese Fragen konnten wir gut beantworten und alle Herausforderung meistern. Wir konnten zahlreiche Förderer von unserem Projekt überzeugen – darunter die Stiftung Niedersachsen – und nun wir freuen uns sehr, dass wir im September die Eröffnung mit vielen Gästen feiern konnten.