überleben

Das Theaterstück

2020 realisierte werkgruppe2 am und mit dem Oldenburgischen Staatstheater die Produktion Überleben. Das dokumentarische Theaterstück bietet Raum zur Diskussion der offenen Fragen und der Suche nach den Leerstellen in den Erzählungen rund um die Klinikmorde in Oldenburg und Delmenhorst, die die Region und das Land so massiv erschüttert hatten. Die unvorstellbar hohe Zahl an Getöteten und die der versuchten Tötungen, ebenso der Zeitraum, in dem der Täter scheinbar unbemerkt handelte, zerstörten auch das Vertrauen in das medizinische Versorgungssystem unmittelbar.
 

Wie geht eine Stadt mit diesem Ereignis um, das jetzt Teil der eigenen Geschichte ist?
 

Auf der Grundlage von Interviewtexten und O-Tönen, die wortwörtlich von Schauspieler*innen wiedergegeben werden, sowiemusikalischen Neukompo-sitionen für ein Bläser-Trio ermöglichte werkgruppe2 eine Auseinander-setzung, die im weitesten Sinnevom Überleben handelt: Angehörige leben ohne ihre getöteten Verwandten weiter, Menschen haben dank geglückter Reanimationen Tötungsversuche überlebt, Zeugen ringen um ihre Glaub-würdigkeit, Krankenschwestern und Ärzt*innen erfüllen ihre Dienste in den Kranknehäusern Oldenburg und Delmenhorst gewissenhaft und brauchen dazu das vertrauen der Patient*innen.

Das Stück konnte coronabedingt bislang leider nur zur Premiere im Februar 2020 am Oldenburgischen Staatstheater gezeigt werden, danach musste das Theater schließen. Nun kann es am 14. Januar 2022 wieder aufgenommen werden. https://staatstheater.de/programm/schauspiel/stuecke/ueberleben

Ensemble Produktion Überleben am Oldenburgischen Staatstheater | © Oldenburgisches Staatstheater, Fotograf: Stephan Walzl

Das Hörspiel

Um das dokumentarische Material, das in aufwendigen Rechercheprozessen gesammelt wurde, zu sichern und auch für Schulklassen zur Verfügung zu stellen, wird ein Hörspiel als eigenständiges Format aus der Recherche produziert. Mit vier Sprecher*innen und den musikalischen Kompositionen aus der Inszenierung sollen unterschiedliche Perspek-tiven auf die Ereignisse nachvollziehbar werden: von Angehörigen, von Überlebenden, von Ärzt*innen, der Justiz. 

 

werkgruppe2

Seit zehn Jahren entwickelt werkgruppe2 aus Göttingen als Kollektiv dokumentarische Projekte, in denen soziale Wirklichkeit in der Auseinandersetzung mit Menschen beschrieben wird, die zu gesellschaftlichen Minderheiten und Unsichtbaren zählen und jetzt aus ihrem eigenen Leben berichten. Mit ihren intensiven Recherchen und der Auseinandersetzung mit brisanten Fragen der Gegenwart werkgruppe2 in Niedersachsen einzigartig. Die werkgruppe2 besteht aus Julia Roesler (Regie), Insa Rudolph (Musik), Isabel Robson (Video) und Silke Merzhäuser (Dramaturgie). Neben Theaterinszenierungen realisiert werkgruppe2 Filmprojekte und digitale Formate.

Förderpartner
werkgruppe2