Varusschlacht im Osnabrücker Land – Museum und Park Kalkriese

Erforschung des Fundes eines römischen Schienenpanzers

Eine erste Illustration des Schienenpanzers Typ Kalkriese anhand des Neufunds aus Kalkriese. | © Roland Warzecha

2018 machten Archäologen in Kalkriese am Ort der Varusschlacht einen herausragenden Fund gemacht: einen römischen Schienenpanzer aus augusteischer Zeit. Diese aus mehreren Metallplatten zusammengesetzte Rüstung schützte über Jahrhunderte die Oberkörper der römischen Legionäre. Obwohl der Schienenpanzer zur festen Ausstattung der römischen Armee gehörte und in römischer Zeit vielfach abgebildet wurde, gibt es kaum Funde, die über das reale Erscheinungsbild und die technischen Details dieser Schutzrüstung Auskunft geben. Einzig im englischen Corbridge wurden bisher sechs Hälften von Schienenpanzern gefunden. Diese stammen jedoch aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. und sind damit über 100 Jahre jünger als der neue Fund aus Kalkriese.

So bemerkenswert wie der Fund ist auch der Fundkontext des Schienenpanzers. Im Hals-/Schulterbereich lag eine so genannte Halsgeige –  ein typisches Fesselungsinstrument, das die Hände am Hals fixiert und die Handlungsfähigkeit des so Gefesselten wirkungsvoll einschränkt. Halsgeigen wurden in der römischen Armee mitgeführt, um vor allem Kriegsgefangene, deren Schicksal die Sklaverei war, zu fesseln. Die gesamte Fundsituation legt nahe, dass hier ein römischer Legionär als Überlebender des Gefechts von den germanischen Siegern mit dem römischen Unterwerfungssymbol gefesselt wurde.

Filmbeitrag über den Fund des römischen Schienenpanzers

Restauratorin Rebekka Kuiter legt den Schienenpanzer im Block Schicht um Schicht Platte für Platte frei. | © Varusschlacht im Osnabrücker Land, Foto Hermann Pentermann

Entdeckt wurde der Schienenpanzer bei archäologischen Ausgrabungen in Kooperation mit der Universität Osnabrück im Jahr 2018. Dass es sich um einen weitgehend vollständig erhaltenen Schienenpanzer handelt, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Das Wissenschaftlerteam erahnte lediglich ein sehr großes Metallobjekt im Boden. Um den Fund fachgerecht freilegen zu können, entschied man sich für die Bergung im Block, der mit einer Größe von 1,25 m x 1,00 m rund 500 kg auf die Waage brachte und in der Archäologie ein gängiges Vorgehen ist, um den Fund im Anschluss unter Laborbedingungen in der Restaurierung auszugraben. Um das Objekt bereits im Block sichtbar zu machen, wurde der Block in die große Röntgenanlage des Zollamtes des Flughafens Münster/Osnabrück überführt. Doch das umgebende Erdreich schirmte den metallischen Inhalt so gut ab, dass lediglich klar war, dass es sich hier wirklich um ein sehr großes und metallisches Objekt handeln muss. Erst im Fraunhofer-Entwicklungszentrum Röntgentechnik EZRT des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Fürth und im dortigen weltweit größten öffentlich zugänglichen Computertomographie-System konnte das dreidimensional Objekt erfasst werden.

Der Schienenpanzer wird zurzeit in einem aufwändigen Restaurierungsprozess nach und nach, Platte für Platte freigelegt. Durch die obenliegende Erde sind die einzelnen Bestandteile der Rüstung zusammengedrückt – wie bei einer Ziehharmonika sind die Platten über die Zeit ineinandergeschoben worden. Die Platten im Schulter- und Brustbereich sind entnommen und zum Teil schon restauriert. Die Bauchplatten sind noch im Block und werden in den kommenden Monaten freigelegt. Im Jahr 2023 ist eine Sonderausstellung zu der Erforschung des Fundes in Kalkriese geplant.

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