Kaleidoskop Worpswede

Heike Kati Barath, o.T. (für Paula), 2018 | © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 | Foto: Jens Weyers, Bremen

Das Künstlerdorf Worpswede war von Beginn an regelmäßig ein Schauplatz visionärer Lebensentwürfe: Die Gründer der Künstlerkolonie verfolgten den Traum der Vereinigung von Kunst und Leben; nach dem ersten Weltkrieg lösten die sozialen Experimente Heinrich Vogelers und die Baukunstwerke Bernhard Hoetgers deutschlandweite Diskussionen aus. In den 1970er Jahren sorgte das „Experiment Worpswede” mit ökologischen Visionen für Aufsehen, und seit mittlerweile über 45 Jahren stehen die Künstlerhäuser Worpswede mit ihren internationalen Gästen für permanente Erneuerung und zukunftshaltige künstlerische Impulse.
 
Dieses Selbstverständnis des Ortes aufgreifend, wendeten die Worpsweder Museen anlässlich der 800-Jahr-Feier der Ortschaft vom 22. September bis 4. November den Blick nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in Richtung Zukunft. Das Anliegen der Ausstellung „Kaleidoskop Worpswede” war es, den „Mythos Worpswede” einer Revision zu unterziehen und die über Jahrzehnte verfestigten Sichtweisen auf eine vergangene Worpsweder Zeit aufzubrechen. Das Projekt zielte auf eine offene künstlerisch-ästhetische Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Kunst(-geschichte) und eröffnete mit einer ebenso präzisen wie radikalen Neubestimmung des Gestern und Heute neue Perspektiven auf ein Morgen.
 
Der Ausstellungsmacher und Kurator Jörg van den Berg warf dazu einen klaren und profilierten „Blick von außen” auf das Künstlerdorf. Seine frische, unvoreingenommene Wahrnehmung des Ortes, der Worpsweder Kunst und der Museen verdichtete er zu einem Konzept, das mit künstlerischen und ästhetischen Mitteln Fragen wie diese verhandelte: Wie hat die Kunst den Ort Worpswede in den vergangenen Jahrzehnten geprägt und wie prägt sie ihn heute? Wie kann der Betrachter die Worpsweder Kunst aus einer aktuellen Perspektive und mit heutigen Fragestellungen neu entdecken? Welche Rolle spielt die Idee der ersten Worpsweder Künstlergeneration, Kunst und Leben miteinander zu verbinden, in der aktuellen Kunstentwicklung? Worin liegt die gesellschaftliche Relevanz von Kunst heute, wie kann Kunst unseren Blick auf die Realität verändern?
 
Die Antworten, die die Ausstellung gab, waren überraschend, erhellend und manchmal auch irritierend.

Förderpartner
Worpsweder Museumsverbund e. V.

Lindenallee 5a

27726 Worpswede