Dokumentations- und Lernort Bückeberg

Für die Bauarbeiten wurde das Gelände ausgeräumt und detailliert eingemessen. | © Dokumentations- und Lernort Bückeberg

Es gibt nur wenige Orte der nationalsozialistischen Selbstinszenierung, die als sogenannte „Täterorte“ neben dem „Führerkult“ und der „Volksgemeinschaft“ auch Ausdruck von Ausgrenzung und Terror sind. Der Bückeberg südlich von Hameln ist so ein Ort: Hier fanden in den Jahren zwischen 1933 und 1937 jährlich die „Reichserntedankfeste“ statt, in dem die Propagandamechanismen des NS-Regimes eingesetzt wurden.

Der Bückeberg war neben dem Reichstagsgelände in Nürnberg und – zeitweilig – dem Tempelhofer Feld in Berlin (Ort der NS-Feiern zum 1. Mai) ein zentraler Ort der NS-Inszenierungspolitik im Zeichen der „Volksgemeinschaft“ und des Führerkults sowie der Einstimmung auf Krieg und Eroberung. An den  „Reichserntedankfesten“ nahmen nach offiziellen Angaben bis zu 1,2 Millionen „Volksgenossen“ aus ganz Deutschland teil. Keiner der vergleichbaren Orte ist so gut erhalten wie der Bückeberg. 

Bauschild Dokumentations- und Gedenkort Bückeberg | © Dokumentations- und Lernort Bückeberg

Das Gelände steht seit 2011 unter Denkmalschutz und wurde in die Liste der Kulturdenkmale aufge-nommen. Anfang 2016 wurde der Verein Regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e. V. mit der Vorbereitung eines Dokumentations-, Informations- und Lernortes betraut. Das Konzept sieht vor, das Gelände über ein Netz von Wegen zugänglich zu machen, acht Informationsinseln zu errichten und die markanten Punkte der historischen Topographie (wie z. B. die Redner*innen- und die Ehrentribüne) mittels einer Installation zu betonen, die die Dimensionen des Platzes sichtbar machen. Die Umsetzung des Konzepts wurde von der 2018 gegründeten „Dokumentations- und Lernort Bückeberg gemeinnützige GmbH“ übernommen, die neben Führungen auch den Internetauftritt und Publikationen verantwortet. 

Die geplante Dokumentationsstätte bietet eine gute Möglichkeit, sich mit der NS-Geschichte auseinanderzusetzen.  Der Ort soll die Mechanismen und Funktionsweisen der subtilen Einflussnahme beleuchten und zugleich einer verklärenden Erinnerungskultur entgegenwirken. Die Erschließung soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein.

Dokumentations- und Lernort Bückeberg