SchreibZeit

© Anastasia Dulgier | unsplash.com

Die Welt ändert sich. Die Literatur ändert sich mit. Was unveränderlich bleibt: Schreiben braucht Freiheit und Zeit. Deshalb ändern sich jetzt sogar die Stipendien.“

Jo Lendle, Schirmherr des Förderprogramms

Mit SchreibZeit initiiert die Stiftung 2021 ein neues Programm der Förderung junger Autor*innen mit ersten Publikationserfahrungen. Die Förderung besteht in der Vergabe von jährlich vier viermonatigen Stipendien, die auf Wunsch mit einer Residenz in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel verbunden sind. Eine Bewerbung ist nicht möglich. Die Stipendiat*innen werden von Kurator*innen vorgeschlagen und von einer Jury ausgewählt. Die Stipendien beinhalten neben einer finanziellen Förderung die Begleitung durch individuelle Mentor*innen, die die Stipendiat*innen bei der Arbeit an ihren Projekten unterstützen. Zudem können sich die Stipendiat*innen im jeweiligen Zeitraum zwei Impulse auswählen, die bei gemeinsamen Treffen in Wolfenbüttel umgesetzt werden. Dies können etwa Vorträge und/oder Begegnungen mit Menschen oder Institutionen sein. Hier soll es auch Gelegenheit zum Austausch über die literarische Arbeit und den Literaturbetrieb geben.

Als Schirmherr des Förderprogramms konnte Hanser-Verleger und Autor Jo Lendle gewonnen werden.

Das zunächst auf vier Jahre angelegte Programm fördert gezielt junge Stimmen, die gesellschaftlich relevante Themen aufnehmen, neue Formate des Schreibens entwickeln und die Gesellschaft in ihrer Vielfalt abbilden. Pro Jahr wird ein anderer thematischer Schwerpunkt gefördert:

(1) Interkulturelle („hybride”) Literatur

Interkulturelle („hybride”) Literatur einer Gesellschaft im demographischen, kulturellen, ökologischen Wandel, die nicht nur „neue” Inhalte meint, sondern auch die Formenvielfalt abbildet. Erfasst werden soll hier auch der Umgang mit Mehrsprachigkeit, mit mentalitätsgeprägter Sprache, die neue Bilder schafft sowie biographische Hintergründe, die neue Perspektiven eröffnen.

Die Kurator*innen für das erste Förderjahr interkulturelle Literatur waren:

  • Jörg Albrecht (Künstlerischer Leiter Burg Hülshoff – Center for Literature und Schriftsteller),
  • Simoné Goldschmidt-Lechner (Autor*in, Literatur- und Kunstvermittler*in, Linguist*in),
  • Deborah Fallis (Literaturwissenschaftlerin) und
  • Martin Hielscher (Programmleiter Belletristik im Verlag C.H.Beck).

Der Jury gehörten an:

  • Thorsten Ahrend (Literaturhaus Leipzig, Leiter Literaturprogramm Wallstein Verlag),
  • Maryam Aras (Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin, Iranistin) und
  • Regina Menke (Studentin und Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift BELLA triste).

Die Jury entschied im Dezember 2021 über die Vergabe der Stipendien. Zwischen April und Juli 2022 werden die Arbeitsstipendien wahrgenommen.

Luna Ali, Raphaëlle RED, Jehona Kicaj und Krisha Kops sind die Stipendiat*innen 2022

Die SchreibZeit-Stipendiat*innen 2022: Raphaëlle RED, Luna Ali, Krisha Kops und Jehona Kicaj (von links nach rechts) | © Stiftung Niedersachsen

Zu den Stipendiat*innen:

Luna Ali studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig sowie Ethnologie an der Universität Leipzig. Sie war Teilnehmerin diverser Performance- und Literaturfestivals, u. a. Theatertreffen der Jugend und Treffen junger Autor:innen. Am Düsseldorfer Jungen Schauspiel entwickelte sie als Autorin und Performerin mit andcompany&co. das Stück „Café Casablanca – Everybody comes to stay!“ (2017). In Hannover wurde die Arbeit mit andcompany&co. mit dem Stück „Fake Youth“ (2019) am Jungen Schauspiel fortgeführt. Ihre literarischen und wissenschaftlichen Texte sind bisher u.a. in Anthologien im Verlag Theater der Zeit, im Verbrecher Verlag und im Wallstein Verlag erschienen. Ali leitete die Schreibwerkstatt „Work! Work! Work!“ (2020) am Schauspiel Hannover und ist leitende Kuratorin des Fuchsbau Festivals.

Luna Ali wird von Heike Geißler als Mentorin begleitet.

 

Raphaëlle Red ist Autorin und Literaturwissenschaftlerin. Sie forscht an der Freien Universität in Berlin zu zeitgenössischer Literatur der afrikanischen Diaspora. 2017 kuratierte sie die im Rahmen des internationalen literaturfestival berlin (ilb) stattfindende Veranstaltungsreihe “decolonizing wor:l:ds”. Raphaëlle schreibt Prosa auf Französisch, Englisch und Deutsch. Ihre Texte sind unter anderem in den Zeitschriften Jef Klak, MM Magazin, L’Humanité und gal-dem erschienen. Sie hat 2020 in Paris einen Master in Literarischem Schreiben an der Université Paris VIII absolviert. Ihr Debütroman „Adikou” handelt von geerbter Flucht und von einer persönlichen Suchreise, von der Entscheidung, einen eigenen Platz in der Geschichte und den Geschichten zu finden. Die Protagonistin Adikou ist nur halb zuhause, immer auf dem Weg, und sehnt sich nach einer eindeutigen Herkunft. Doch in ihrer Bewegung entlang dreier Kontinente gibt es nicht unbedingt Antworten, nur immer präzisere Fragen an Identitäten, Erbe und Gemeinschaft.

Raphaëlle Red wird von Olivia Wenzel als Mentorin begleitet.

 

Jehona Kicaj ist Autorin, Lektorin und Germanistin. Sie studierte Philosophie, Germanistik und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft in Hannover. Für ihre Masterarbeit „E. T. A. Hoffmann und das Glasmotiv” wurde sie mit dem Förderpreis der Victor Rizkallah-Stiftung für herausragende akademische Leistungen ausgezeichnet. Sie war als Literaturwissenschaftlerin in Hannover tätig und arbeitet nun im wissenschaftlichen Verlagswesen. Neben ihrer Arbeit gründete Kicaj gemeinsam mit einem Freund den Re:sonar Verlag in Hannover – einen Independent-Verlag für junge Gegenwartsliteratur. 2020 erschien ihr Text Schatten der Diaspora in der Kultur- und Literaturzeitschrift die horen (Wallstein Verlag).

Jehona Kicaj wird von Anna Kim als Mentorin begleitet.

 

Krisha Kops studierte an der London and Westminster University Philosophie und internationalen Journalismus. Er promovierte im Bereich interkulturelle Philosophie an der Universität Hildesheim. Heute arbeitet er als freiberuflicher Journalist in Indien und Deutschland und schreibt u. a. für die „taz”, für „DLF Kultur” und das „SZ Magazin”. Außerdem hält er Vorträge und leitet Workshops zu philosophischen Themen. Kern seiner Arbeit ist eine interkulturelle Perspektive auf Politik, Kultur und Gesellschaft. Mit seinem Debütroman „Das ewige Rauschen” nahm Kops an der Autorenwerkstatt „Heimat.Heute” im Dresdner SLUB sowie an der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquium Berlin teil. 2020 wurde er mit dem „Haidhauser Werkstattpreis” ausgezeichnet. Neben seiner theoretischen Arbeit verantwortet er im Rahmen seiner praktischen philosophischen Tätigkeit die Geschäftsführung von „WirHelfen.eu”.

Krisha Kops wird von Martin Hielscher als Mentor begleitet.

(2) Lyrik im digitalen Zeitalter

„Lyrik, verdichtete Sprache im digitalen Zeitalter”; die sogenannte „Ausweitung der Wortzone”, die sich im Poetry-Slam, im Hip Hop und anderen populäre Formen zeigt, die sich durch Rhythmus und Form der Lyrik zuordnen lassen, sollen 2023 gefördert werden.

Die Kurator*innen sind:

  • Paul-Henri Campbell (Lyriker und Essayist)
  • Dincer Güçyeter (ELIF VERLAG)
  • Simone Lappert (freie Autorin)
  • Ronya Othmann (freie Journalistin und Autorin

 

Der Jury gehören an:

  • Lina Briks (Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift BELLA triste)
  • Monika Rinck (Schriftstellerin, Übersetzerin und Professorin am Institut für Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien)
  • Safiye Can (Lyrikerin, Autorin, Dichterin der konkreten und visuellen Poesie sowie bildende Künstlerin und literarische Übersetzerin)

 

 

(3) Graphic Novel

„Graphic Novel”, Schreiben und Zeichnen, Text und Bild; der „graphische” Roman mit höchster künstlerischer Freiheit für die Autor*innen (Szenarist*innen und Zeichner*innen); hier sind 2024 auch Doppelstipendien für Autor*innen und Zeichner*innen möglich.

(4) Szenisches Schreiben

„Szenisches Schreiben”, Theatertexte im Lichte der Dramaturgie. Texte für das Theater vom politischen Raum über das literarische Erfassen der Welt bis hin zum Dokumentartheater sollen 2026 mit Stipendien (evtl. auch in Kooperation mit eine*m*r Regisseur*in oder eine*r*m Dramaturg*in) weiterentwickelt werden.

Ansprechpartnerin
Dr. Gesa Schönermark
Referentin Musik, Literatur, Bildung und Wissenschaft