Kunst der Gegenwart
aus Niedersachsen

Dem niedersächsischem Expressionisten Otto Gleichmann war die erste Ausgabe der Monographienreihe Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen im Jahre 1963 gewidmet. Während in den Anfangsjahren der Reihe das besondere Interesse zunächst Künstler*innen galt, die im Nationalsozialismus unterdrückt worden waren, traten ab 1982 mit dem Band zu Timm Ulrichs Künstler*innen der unmittelbaren Gegenwart in den Fokus. 

Bislang wurden 72 Künstler*innen verschiedener Sparten in der Reihe präsentiert. Es ist nicht nur eine bedeutende Auszeichnung für die Künstler*innen, sondern zugleich eine einmalige Möglichkeit für die überregionale Darstellung niedersächsischer Kultur. 

Seit Band 67 liegt die Herausgeberschaft der Reihe bei der Stiftung Niedersachsen. Das Themenspektrum wurde seither um die Bereiche Fotografie und Medien ergänzt.

Band 75: Antje Schiffers

Cover Kunst der Gegenwart: Antje Schiffers. Band 75, 2020

In einer Art Feldforschung begibt sich Antje Schiffers in verschiedene Kontexte und Kooperationen: „Als Wandermalerin bin ich durch Russland, Kasachstan und Kirgistan gereist und habe Bilder gemalt gegen Kost und Logis. Ich war Botschafterin und Korrespondentin eines Leipziger Museums in Osteuropa und BIumenzeichnerin in Mexiko. Ich habe mich in der Reifenindustrie um eine AnstelIung als Werkkünstlerin beworben, so, als ob es eine solche Stelle gäbe Mein Interesse ist in weiten Teilen identisch mit dem des Ethnografen. Dabei teile ich mit ihm nicht nur die Neugier für das Andere und Fremde, sondern auch für methodologische und erkenntnistheoretische Fragestellungen: die Zweifel an der Erfahrbarkeit dessen, was fremd ist, die Suche nach Methoden der Annäherung an andere Wirklichkeiten wie nach Möglichkeiten ihrer Repräsentation.“

Ein Fokus Iiegt dabei auf dem ländIichen Raum, den Schiffers als komplexen Ort kultureller Produktion versteht, vor allem in ihrer intensiven Zusammenarbeit mit der Künstlerinneninitiative Myvillages, die sie 2003 gemeinsam mit Wapke Feenstra, Rotterdam, und Kathrin Böhm, London, gegründet hat (www.myvillages.org). Dabei finden soziale und geografische Bedingungen ebenso wie politische und ökonomische Aspekte Eingang in ihre Arbeit, stets in einer intensiven Interaktion mit den Menschen vor Ort.

Das Buch ist mit einem essayistischen Text der Schriftstellerin Katharina Hacker und zahlreichen Abbildungen eine umfangreiche Darstellung der künstlerischen Arbeit von Antje Schiffers. Im Sprengel Museum Hannover findet anlässlich des Erscheinens die Ausstellung „Antje Schiffers: Ländliche Produktivkräfte” statt.

Antje Schiffers wurde 1967 in HeiIigendorf bei Wolfsburg geboren und lebt in Berlin. Sie studierte an der TU Braunschweig und der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und war Meisterschülerin bei Walter Dahn. Seit 2003 arbeitet sie mit Kathrin Böhm (GB) und Wapke Feenstra (NL) in der Künstlerinitiative Myvillages.

Katharina Hacker (*1967) studierte Philosophie, Judaistik und Geschichte in Freiburg und Jerusalem. 2006 gewann sie den Deutschen Buchpreis für ihren Roman „Die Habenichtse” (2006) Zuletzt erschien ihr Roman „Skip” (2015) und „Darf ich dir das Sie anbieten?” (2019).

 

Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen, Band 75
Katharina Hacker, „Antje Schiffers”

Herausgegeben von der Stiftung Niedersachsen,
in der Reihe: Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen, Bd. 75,
80 Seiten, 65 überwiegend farb. Abb., gebunden,
ISBN 978-3-8353-381 0-4 (2020)

A bis Z der bisher vorgestellten Künstler:

Ulrich Baehr, Alexej I. Baschlakow, Peter Basseler, Franz Belting, Michael Bette, Rolf Bier, Hans-Jürgen Breuste, Johannes Brus, Carl Buchheister, Heinz-Ulrich Buchwald, Fritz Burger-Mühlfeld, Emil Cimiotti, Roland Dörfler, Bernhard Dörries, WP Eberhard Eggers, Dieter Froelich, Ludger Gerdes, Otto Gleichmann, Christoph Girardet, Hawoli, Ute Heuer, Birgit Hein, Dietrich Helm, Rudolf Jahns, Olav Christopher Jenssen, Grete Jürgens, Petra Kaltenmorgen, Hans Karl, Heinz Knoke, Harry Kramer, Raimund Kummer, Kurt Lehmann, Arnold Leissler, Jean Leppien, Ernst Marow, Friedrich Meckseper, Bjørn Melhus, Hans Meyboden, Christiane Möbus, Lienhard von Monkiewitsch, Siegfried Neuenhausen, Werner Nöfer, Felix Nussbaum, Richard Oelze, Anna Oppermann, Asmus Petersen, Max Pfeiffer-Watenphul, Heinz-Günter Prager, Franz Radziwill, Heinrich Riebesehl, Frank Rosenthal, Ricardo Saro, Malte Sartorius, Karl Schaper, Silke Schatz, Hermann Scheuernstuhl, Antje Schiffers, Julia Schmid, Corinna Schnitt, Kurt Schwitters, Kurt Sohns, Rüdiger Stanko, Norbert Tadeus, Ernst Thoms, Peter Tuma, Timm Ulrichs, Vordemberge-Gildewart, Hans-Albert Walter, Erich Wegner, Giso Westing, Gerd Winner, Alfred Winter-Rust.

Von der Stiftung wurden folgende Bände herausgegeben:

Coveransicht der Künstlermonographie „Estragon” zu Olav Christopher Jenssen, 2018

Bisher sind erschienen:

Band 67: Christoph Girardet (Film- und Videokünstler)
Band 68: Silke Schatz (Malerin und Installationskünstlerin)
Band 69: Frank Rosenthal (Maler)
Band 70: Julia Schmid (Malerin) 
Band 71: Corinna Schnitt (Film- und Videokünstlerin)
Band 72: Petra Kaltenmorgen (Fotokünstlerin)
Band 73: Olav Christopher Jenssen (Maler und Zeichner)
Band 74: Bjørn Melhus (Videokünstler)
Band 75: Antje Schiffers (Bildende Künstlerin)

Die Monographien sind im Buchhandel erhältlich.

Ansprechpartnerin
Dr. Tabea Golgath
Referentin Museen und Kunst