Von Mächtigen und Mitläufern

Lesung mit Clemens Meyer, Philipp Neudert und Farukh Sauerwein, moderiert von Charlotte Misch

20. September 2021
Junges Theater Göttingen

Lesereihe zum Abschied vom Literatur Labor Wolfenbüttel im Rahmen des Literaturfestes Niedersachsen der VGH Stiftung.

Beginn: 19.00 Uhr

Politik lebt von Ritualen, im Großen wie im Kleinen: Das gilt für internationale Gipfeltreffen und dörfliche Bürgermeisterwahlen, Ostermärsche und Fridays-for-Future-Demos genauso wie für Geheimtreffen von Neonazis oder Antifa. In Clemens Meyers Roman „Als wir träumten“ fliehen vier halbstarke Jungs vor den Glatzen, kämpfen mit Fäusten um Anerkennung, nehmen Reißaus vor der Zukunft und landen immer wieder bei der Polizei. Das Debüt des Leipzigers wurde 2006 gefeiert. In seinem Buch „Die stillen Trabanten“ erzählt er auch von Ritualen, etwa in der Geschichte von einem Wachmann, der seine Runden ums Ausländerwohnheim dreht und sich in eine Frau hinter dem Zaun verliebt.

Zwei Stipendiaten des Literatur Labors Wolfenbüttel lesen ihre Kurzgeschichten über radikale Rituale: Farukh Sauerwein schickt einen Reporter zu einem inszenierten Event-Terroranschlag in einer Arena für zigtausend Zuschauer. Sie holen sich Autogramme vom Attentäter, und wer die „Zehn Minuten Grusel“ überlebt, belohnt sich mit einem Fan-Shirt vom Merchandise-Stand. Philipp Neudert erzählt vom Wochenend-Ritual einer Horde Neonazis auf dem Dorf: Sie fahren ziellos durch die öde Gegend, rauchen, saufen bis zur Besinnungslosigkeit und drohen allen, die nicht so sind wie sie. Zur „Wintersonnenwende“ ist ein „Studierter“ auf Heimatbesuch dabei, der den stumpfen Gruppenzwang nicht mehr erträgt.

Charlotte Milsch moderiert die Autorenrunde und spricht mit den Autoren über Rituale der Macht und die Macht der Rituale.