16. Dezember 2021 Hannover

Stiftung Niedersachsen vergibt SchreibZeit-Stipendien an Luna Ali, Raphaëlle RED, Jehona Kicaj und Krisha Kops

Das neue Programm fördert junge, diverse Stimmen in der Literatur

Luna Ali, Raphaëlle RED, Jehona Kicaj und Krisha Kops sind die ersten Stipendiat*innen des neuen Literaturförderprogramms SchreibZeit der Stiftung Niedersachsen. Sie erhalten jeweils viermonatige Arbeitsstipendien in Höhe von 2.250 € pro Monat, die auf Wunsch mit einer Residenz in der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel im Frühjahr/Sommer 2022 verbunden sind. Zudem können sie sich eine*n Mentor*in als Begleitung auswählen. „Wir möchten den Stipendiat*innen den Raum bieten, ihre literarischen Stimmen weiterzuentwickeln. Eine diverse Gesellschaft braucht ihre Geschichten!”, so Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen.

Die Stipendiat*innen konnten sich nicht bewerben, sondern wurden von den vier Kurator*innen Jörg Albrecht (Künstlerischer Leiter Burg Hülshoff – Center for Literature und Schriftsteller), Simoné Goldschmidt-Lechner (Autor*in, Literatur- und Kunstvermittler*in, Linguist*in), Deborah Fallis (Literaturwissenschaftlerin) und Martin Hielscher (Programmleiter Belletristik im Verlag C.H.Beck) vorgeschlagen. Eine Jury wählte aus insgesamt 13 Vorschlägen die vier Autor*innen aus. Der Jury gehörten an: Thorsten Ahrend (Literaturhaus Leipzig, Leiter Literaturprogramm Wallstein Verlag), Maryam Aras (Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin, Iranistin) und Regina Menke (Studentin und Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift BELLA triste).

Das Förderprogramm SchreibZeit setzt einen neuen Akzent in der Förderlandschaft und unterstützt gezielt die Stimmen, denen bislang kaum Fördermöglichkeiten offenstanden. Der Schwerpunkt wird jährlich gewechselt: Im ersten Jahr werden Autor*innen der interkulturellen Literatur gefördert. Es folgen Lyrik im digitalen Zeitalter, Graphic Novel und Szenisches Schreiben. Die Schirmherrschaft des Programms übernahm der Hanser-Verleger Jo Lendle.


Zu den Stipendiat*innen:
Luna Ali studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig sowie Ethnologie an der Universität Leipzig. Sie war Teilnehmerin diverser Performance- und Literaturfestivals, u. a. Theatertreffen der Jugend und Treffen junger Autor:innen. Am Düsseldorfer Jungen Schauspiel entwickelte sie als Autorin und Performerin mit andcompany&co. das Stück „Café Casablanca – Everybody comes to stay!“ (2017). In Hannover wurde die Arbeit mit andcompany&co. mit dem Stück „Fake Youth“ (2019) am Jungen Schauspiel fortgeführt. Ihre literarischen und wissenschaftlichen Texte sind bisher u.a. in Anthologien im Verlag Theater der Zeit, im Verbrecher Verlag und im Wallstein Verlag erschienen. Ali leitete die Schreibwerkstatt „Work! Work! Work!“ (2020) am Schauspiel Hannover und ist leitende Kuratorin des Fuchsbau Festivals.

Raphaëlle RED (Raphaëlle Efoui-Deplanque) ist Autorin und Literaturwissenschaftlerin. Sie forscht an der Freien Universität in Berlin zu zeitgenössischer Literatur der afrikanischen Diaspora. 2017 kuratierte sie die im Rahmen des internationalen literaturfestival berlin (ilb) stattfindende Veranstaltungsreihe “decolonizing wor:l:ds”. Raphaëlle schreibt Prosa auf Französisch, Englisch und Deutsch. Ihre Texte sind unter anderem in den Zeitschriften Jef Klak, MM Magazin, L’Humanité und gal-dem erschienen. Sie hat 2020 in Paris einen Master in Literarischem Schreiben an der Université Paris VIII absolviert. Ihr Debütroman „Adikou” handelt von geerbter Flucht und von einer persönlichen Suchreise, von der Entscheidung, einen eigenen Platz in der Geschichte und den Geschichten zu finden. Die Protagonistin Adikou ist nur halb zuhause, immer auf dem Weg, und sehnt sich nach einer eindeutigen Herkunft. Doch in ihrer Bewegung entlang dreier Kontinente gibt es nicht unbedingt Antworten, nur immer präzisere Fragen an Identitäten, Erbe und Gemeinschaft.

Jehona Kicaj ist Autorin, Lektorin und Germanistin. Sie studierte Philosophie, Germanistik und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft in Hannover. Für ihre Masterarbeit „E. T. A. Hoffmann und das Glasmotiv” wurde sie mit dem Förderpreis der Victor Rizkallah-Stiftung für herausragende akademische Leistungen ausgezeichnet. Sie war als Literaturwissenschaftlerin in Hannover tätig und arbeitet nun im wissenschaftlichen Verlagswesen. Neben ihrer Arbeit gründete Kicaj gemeinsam mit einem Freund den Re:sonar Verlag in Hannover – einen Independent-Verlag für junge Gegenwartsliteratur. 2020 erschien ihr Text „Schatten der Diaspora” in der Kultur- und Literaturzeitschrift die horen (Wallstein Verlag).

Krisha Kops studierte an der London and Westminster University Philosophie und internationalen Journalismus. Er promovierte im Bereich interkulturelle Philosophie an der Universität Hildesheim. Heute arbeitet er als freiberuflicher Journalist in Indien und Deutschland und schreibt u. a. für die „taz”, für „DLF Kultur” und das „SZ Magazin”. Außerdem hält er Vorträge und leitet Workshops zu philosophischen Themen. Kern seiner Arbeit ist eine interkulturelle Perspektive auf Politik, Kultur und Gesellschaft. Mit seinem Debütroman „Das ewige Rauschen” nahm Kops an der Autorenwerkstatt „Heimat.Heute” im Dresdner SLUB sowie an der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquium Berlin teil. 2020 wurde er mit dem „Haidhauser Werkstattpreis” ausgezeichnet. Neben seiner theoretischen Arbeit verantwortet er im Rahmen seiner praktischen philosophischen Tätigkeit die Geschäftsführung von „WirHelfen.eu”.

 

Seit 1987 engagiert sich die Stiftung Niedersachsen für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung im ganzen Land. Als Landeskulturstiftung stärkt sie durch die Förderung gemeinnütziger Projekte die Vielfalt der Kultur in Niedersachsen und trägt zur Profilierung des Kulturstandortes bei. Pro Jahr fördert die Stiftung rund 200 Projekte und ist zudem selbst operativ tätig.

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