9. Mai 2019 Hannover

Stiftung Niedersachsen richtet am 15. und 16. Mai 2019 Tagung zu Künstlicher Intelligenz in Kunst und Kultur aus

Öffentlicher KI-Themenabend am 15. Mai im Künstlerhaus

Auf Einladung der Stiftung Niedersachsen treffen sich am 15. und 16. Mai 2019 Kulturschaffende, KI-Experten und Wissenschaftler in Hannover, um zu dis-kutieren, ob und wie Künstliche Intelligenz (KI) in Kunst und Kultur Einsatz finden kann. Erstmals widmet sich eine Tagung dezidiert dieser Fragestellung. Die Schlüsseltechnologie der Zukunft ist in Industrie und Wirtschaft längst bestimmend. In vielen Bereichen unseres alltäglichen Lebens begleiten uns digitale Assistenten. Doch die gesellschaftliche Debatte steht noch am Anfang und auch in Kunst und Kultur wird KI noch wenig genutzt – ob in künstlerischer Produktion oder als Arbeitsmittel in Kulturorganisationen. „Wieviel KI kann in Kultur stecken? Wir wollen mit dem Förderprogramm und der Tagung LINK zur aktiven Auseinandersetzung anregen, Einsatzmöglichkeiten ausloten”, so die Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen, Lavinia Francke. Die Tagung findet im Schauspiel Hannover und im angrenzenden Künstlerhaus statt. Zu einem KI-Themenabend am 15. Mai sind alle Interessierten herzlich willkommen.

Vorträge zu Kreativität und Künstlicher Intelligenz | 15. Mai 2019

In sieben Keynotes werden am ersten Tag renommierte Forscher und Autoren in das Themenfeld einführen. Prof. Dr. Ralph Ewert von der Leibniz Universität Hannover führt in die Grundprinzipien des maschinellen Lernens ein und stellt vor, wo bereits menschenähnliche Leistungsfähigkeiten erreicht wurden und wo Grenzen liegen.

Die Auseinandersetzung Mensch-Maschine/künstliche und natürliche Intelligenz beschäftigt die Wissenschaftsjournalistin Manuela Lenzen in ihrem Vortrag. Was folgt aus der nur oberflächlichen Ähnlichkeit für unseren Umgang mit den Maschinen?

Im Kunst-/Kulturkontext wird nicht nur die Frage nach einer Unterscheidung von Mensch und Maschinen virulent, sondern auch nach menschlicher und künstlicher Kreativität. Prof. Dr. Kai-Uwe Kühnberger, Direktor des Instituts für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück, stellt Grundlagen für künstliche Kreativität und kollaborative Ansätze für eine gemeinsame künstlerische Produktion von Mensch und KI vor.

Der Autor Holger Volland, Gründer des digitalen Kulturfestivals THE ARTS+ der Frankfurter Buchmesse, befasst sich in seiner jüngsten Publikation mit der kreativen Macht der Maschinen. Er fordert eine kritische und bewusste Auseinandersetzung, da die umwälzende Macht der Algorithmen enormen Einfluss auf unsere Gesellschaft haben wird.

Der Religionsphilosoph Lukas Brand (Ruhr-Universität Bochum) hinterfragt, wie und unter welchen Umständen intelligente Maschinen zu (guten) moralischen Akteuren werden können, wenn sie nicht mehr nur Werkzeug sind, sondern eigenständig agieren und weitreichende Entscheidungen treffen.

Der Jurist Prof. Dr. Fabian Schmieder (Hochschule Hannover) geht der Frage nach, ob das bisherige Urheberrecht für die Zukunft noch interessengerecht ist. Ist eine kreative KI Schöpferin im Sinne des Urheberrechts?

Prof. Dr. Jürgen Handke wird in Begleitung seines Assistenten Pepper sinnvolle Tätigkeiten eines humanoiden Roboters in der Hochschullehre präsentieren. Der Marburger Professor leitet das BMBF-geförderte Projekt H.E.A.R.T. (Humanoid Emotional Assistant Robots in Teaching).

Themenworkshops und Projektpräsentationen | 16. Mai 2019

In sechs Workshops werden am zweiten Tagungstag exemplarische Projekte aus Kunst und Kultur als Impulsgeber zur gemeinsamen Entwicklung realer Anwendung vorgestellt:

KUNST | Die Künstler Mattis Kuhn und Egor Kraft stellen Beispiele aus dem künstlerischen Schaffensprozess mit KI vor. Egor Kraft befähigte einen Algorithmus in seinen „Content Aware Studies” fehlende Fragmente antiker Friese zu rekonstruieren. Mattis Kuhn kuratierte 2018 die Ausstellung „I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt” am Frankfurter Kunstverein.

MUSIK | Der Komponist Joachim Heintz präsentiert gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Grüny von der Universität Witten/Herdecke sein intelligentes Instrument ALMA und erprobt den kollaborativen Einsatz in der Komposition und der improvisierten Darbietung.

THEATER & TANZ | Der Theatermacher Stefan Kaegi und der Intendant des Theater Dortmund, Kay Voges, geben Einblicke in digitales, robotisches Theater. Stefan Kaegi erprobte die Akzeptanz eines humanoiden Roboterschauspielers im Stück „Uncanny Valley” an den Münchner Kammerspielen. Kay Voges gründete Anfang 2019 die Akademie für Theater und Digitalität, ein Modellprojekt für digitale Innovation, künstlerische Forschung und technikorientierte Aus- und Weiterbildung.

LITERATUR | Gerhard Lauer ist Professor für Digital Humanities an der Universität Basel. Er führt im Literaturworkshop in die aktuellen Möglichkeiten maschineller Literatur ein, die heute in Form avantgardistischer Lyrik am ehesten gelingt. Die Künstler Fabian Navarro und Selina Seemann stellen ihre intelligente Lyrikmaschine vor – den dichtenden Bot Eloquentron3000.

MUSEUM | Armin Berger entwickelt im KI-Forschungsprojekt QURATOR Softwareprototypen für digitales Kuratieren. Bereits im Einsatz sind am Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) mobile Roboter als Mittler zwischen Museumsmachern und Besuchern. Die Kuratorin Dr. Doreen Hartmann zeigt, wie Museen Roboter und KI-Systeme sinnvoll einsetzen können.

SOZIOKULTUR | Welche niedrigschwelligen Angebote können soziokulturelle Institutionen anbieten, um den gesellschaftlichen Diskurs zu KI anzustoßen? Wie könnten exemplarische Projekte aussehen, die für ein kollektives, menschenfreundliches, kreatives Schaffen mit KI stehen? Marcus Munzlinger vom Pavillon Hannover erhielt für sein Gamification-Projekt „Prison Break” 2019 den pro visio-Preis der Stiftung Kulturregion Hannover. Er diskutiert mit dem Religionsphilosophen Lukas Brand und den Teilnehmern des Workshops.

Die Tagung endet mit der Vorstellung erster kooperativer Projekte zwischen Informatikern der Leibniz Universität Hannover und Studierenden der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

KI-Themenabend am 15. Mai 2019

Am 15. Mai ab 19.00 Uhr richten die im Künstlerhaus ansässigen Institutionen Kunstverein Hannover, Literaturhaus Hannover und Kommunales Kino Hannover mit der Stiftung Niedersachsen ein gemeinsames Abendprogramm rund um den Einsatz der neuen Technologie in Kunst und Kultur aus.

Der Kunstverein lädt zu einem Rundgang durch seine aktuelle Ausstellung „Artistic Intelligence”. Der Kurator Sergey Harutoonian führt ab 19.00 Uhr durch die ebenso kurzweilige wie nachdenkliche Sonderausstellung. Die vertretenen Künstler, wie Mario Klingemann, Helen Knowles und Anna Ridler, nähern sich aus vielerlei Perspektiven dem Thema KI oder nutzen die Technik für sich.

Im Literaturhaus wird ab 19.30 Uhr Timo Daum aus seinem Buch „Die künstliche Intelligenz des Kapitals” lesen und mit dem NDR-Moderator Dr. Ulrich Kühn über technische, ökonomische, politische und soziale Aspekte der Technologie diskutieren.

Eine erschreckend greifbare Utopie präsentiert das Kommunale Kino mit dem Film „Ex Machina” ab 20.15 Uhr. Der Film ist Teil einer KI-Reihe, die noch bis zum 30.6. Klassiker, wie „Blade Runner” (Ridley Scott, 1982) oder „A.I. – Künstliche Intelligenz” (Steven Spielberg, 2001) und „Metropolis” (Fritz Lang, 1927), zeigt.

Den Abschluss des Themenabends bildet um 21.30 Uhr ein Konzert des Komponisten und Computer Performers Phillip Schulze. Er erzeugt mehrdimensionale Klangmutationen, die elektronisch in Echtzeit generiert werden.

Der Eintritt zu Lesung und Film beinhaltet den Ausstellungsbesuch im Kunstverein. Die dortige Ausstellung ist bis 23 Uhr geöffnet. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.

 

Seit 1987 engagiert sich die Stiftung Niedersachsen für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung im ganzen Land. Als Landeskulturstiftung stärkt sie durch die Förderung gemeinnütziger Projekte die Vielfalt der Kultur in Niedersachsen und trägt zur Profilierung des Kulturstandortes bei. Pro Jahr fördert die Stiftung rund 200 Projekte und ist selbst operativ tätig. Seit 2018 setzt die Stiftung mit dem Programm LINK einen Förderschwerpunkt auf das Thema Künstliche Intelligenz. Das Programm wird nach der Tagung mit einer KI-Schule, einem Weiterbildungsangebot für Kulturschaffende und Projekttandems bis Ende 2021 fortgeführt.

 

Medienvertreter sind eingeladen, an der Tagung oder einzelnen Teilen teilzunehmen. Bitte melden Sie sich dafür bis zum 10. Mai per E-Mail an nitsch@stnds.de an.

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Tagungsprogramm und Vitae Referenten (pdf)

Programm des KI-Themenabends (pdf)

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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Katharina Nitsch
Referentin Kommunikation