Stipendien für Medienkunst

Edith-Russ-Haus für Medienkunst Oldenburg

Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen vergibt das Edith-Russ-Haus für Medienkunst jedes Jahr drei sechsmonatige und mit jeweils 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien. Die Stipendiaten 2018 sind: Petra Bauer für die Realisierung von „Looking for Jeanne“, Zach Blas für „The Doors” sowie Daniel Jacoby für das Projekt „The Expression of an Egg“.

Über die Projekte
Ausgangspunkt für das Projekt „Looking for Jeanne“ von Petra Bauer (Schweden) ist Chantal Akermans Kultfilm „Jeanne Dielman, 23, quai du Commerce, 1080 Bruxelles“ (1975) über den Alltag einer Frau als Hausfrau, Mutter und Sexarbeiterin. Bauer hinterfragt, was sich seitdem in den Künsten und in der Gesellschaft verändert hat – im Hinblick auf Genderrollen, aber auch im Rahmen der globalen neoliberalen Ordnung. Geplant ist eine Trilogie, die die praktischen Erfahrungen mit geschlechtsspezifischer Arbeit im heutigen Europa untersucht, etwa zusammen mit einer Gruppe von Sexarbeiterinnen in Schottland.

Zach Blas’ (USA/Großbritannien) Filminstallation „The Doors” beschäftigt sich mit der Frage, wie sich das Silicon Valley Magie, Mystizismus, Drogen, Religionen und Kulte aneignet, um die Vision einer techno-utopischen Welt zu erzeugen. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Smart Drugs, die bei der Tech-Elite zur Steigerung der kognitiven Fähigkeiten außerordentlich beliebt sind. Blas zufolge sind diese Drogen nicht mehr, wie in den 1960er Jahren, mit einem psychedelischen Glauben an die Öffnung von neuen „Pforten der Wahrnehmung“ verbunden, sondern effiziente Instrumente, die es „High Value“-Arbeitskräften leichter macht, ewig zu leben – und zu arbeiten.

Daniel Jacoby (Peru/Niederlande) thematisiert in seinem Projekt „The Expression of an Egg” die Welt digitaler Sexarbeit, in der isolierte Webcam-Sex-Performerinnen und -Performer eine Existenz als Einzelunternehmer gründen. Dies gibt ihnen ein Gefühl von Unabhängigkeit, endet jedoch häufig in Selbstausbeutung, Missbrauch, Ungerechtigkeit und Sexismus. Jacoby entwickelt einen experimentellen Dokumentarfilm mit fiktionalem Subtext, in dem die Web-Performer in ihren eigenen Räumen auftreten und ihre Erfahrungen und Geschichten vermitteln. Der Film soll die Brüche in den Charakteren und Situationen sichtbar machen, die die Darsteller konstruieren, um ihre reale Identität vor den Blicken der Öffentlichkeit zu schützen.
 

Kontakt

Edith-Russ-Haus für Medienkunst
Katharinenstraße 23
D-26121 Oldenburg

www.edith-russ-haus.de