SPECTRUM Internationaler Preis für Fotografie

Die Photogalerie Spectrum wurde als eine der ersten Fotogalerien Europas 1972 in Hannover gegründet. Durch ehrenamtliches Engagement konnten hier bis 1992 eindrucksvolle Ausstellungen, beispielsweise von Hein Gorny, Robert Capa oder Andreas Feininger gezeigt werden.

Mit dem SPECTRUM Internationaler Preis für Fotografie knüpfen die Stiftung Niedersachsen und das Sprengel Museum Hannover an diese Zeit an und würdigen die Bedeutung der Fotografie als zeitgenössisches Medium der Bildenden Kunst. Der Preis ist mit 15.000 € dotiert. Darüber hinaus stellen eine umfassende Ausstellung im Sprengel Museum und ein mehrsprachiger Katalog den Künstler einer breiten Öffentlichkeit vor.
 
Seit 1994 wurden bereits neun renommierte, internationale Fotografen mit dem Preis geehrt. Sie repräsentieren dabei eine umfassende Bandbreite des Mediums – den dokumentarischen Stil (Robert Adams und Helen Levitt), das Zusammenspiel von Bild und Text (Sophie Calle), das konzeptionelle Vorgehen (Martha Rosler) oder das Spiel mit den Bildern (John Baldessari). 
 
FOTO:
Fiona Tan
Rise and Fall, 2009
HD installation, colour, stereo, 22 minutes looped
Dimensions variable
Courtesy the artist and Frith Street Gallery, London

Preisträgerin 2019: Fiona Tan

Der 11. SPECTRUM – Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen wird 2019 an die 1966 in Pekanbaru (Indonesien) geborene, heute in Amsterdam lebende Fotografin und Medienkünstlerin Fiona Tan verliehen.
 
Mit der Entscheidung für die international renommierte Künstlerin Fiona Tan würdigt die Jury deren konzeptionellen, medientheoretischen Einsatz der Fotografie. An der Schnittstelle zum Medium Film und in installativen Arbeiten gelingt Tan seit zwei Jahrzehnten eine neue ästhetische Repräsentation von Fotografie.
 
Die internationale Jury zur Vergabe des Preises an Fiona Tan begründet die Wahl wie folgt:
„In herausragender Weise hat die Künstlerin in den letzten knapp 20 Jahren die Fotografie in ihrer Geschichte, ihren Kontexten, Intentionen und Erscheinungsformen als ein Medium der visuellen Repräsentation analysiert. Dadurch ist es Fiona Tan gelungen, die Wechselwirkungen zwischen einem Medium und Identitätsformationen sichtbar zu machen (…). Oder anders gesagt: Fiona Tan untersucht Bilder. Sie fragt nach den Kontexten ihrer Entstehung. Sie widmet sich ihrer Geschichte. Sie analysiert ihre Funktion und die in ihnen fassbaren Machtkonstellationen bei der Repräsentation von Menschen. Tan dechiffriert einen westlichen und oftmals kolonialen Blick der Fotografie und verdeutlicht damit die Einseitigkeit und Tendenz von Geschichtsbildern. So sind ihre Arbeiten immer auch ein Kommentar auf Fotografie als Ausdruck von kulturellen und gesellschaftlichen Formationen und einer politischen Ikonografie.” (Für die Jury – Dr. Martin Hochleitner)
 
Jury
Prof. Dr. Martina Dobbe (Kunstakademie Düsseldorf), Natasha Egan (Museum of Contemporary Photography, Chicago), Lavinia Francke (Stiftung Niedersachsen), Dr. Stefan Gronert (Sprengel Museum Hannover), Prof. Dr. Martin Hochleitner (Museum Salzburg)
 
Preisvergabe und Preisträgerausstellung
Die Ausstellung von Fiona Tan findet vom 21. September 2019 bis zum 12. Januar 2020 im Sprengel Museum Hannover statt. Im Rahmen der Eröffnung am Freitag, den 20. September 2019 wird der SPECTRUM-Preis an die Künstlerin überreicht.

Preisträgerin 2017: Rineke Dijkstra

Mit Rineke Dijkstra (*1959 in Sittard, Niederlande, lebt in Amsterdam) ehrt die Stiftung Niedersachsen eine der herausragenden Fotografinnen der Gegenwart. Dijkstras Werk nimmt in seiner formalen wie inhaltlichen Stringenz, in der Tiefe der fotografischen Auseinandersetzung mit dem klassischen Porträt, eine solitäre Position in der neueren Fotografie-Geschichte ein. Die Künstlerin erhielt im Oktober 2017 den legendären Hasselblad Award. Dijkstra kann auf zahlreiche internationale Ausstellungen zurückblicken, u. a. im San Francisco Museum of Modern Art, dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York, sowie der Tate Liverpool.
 
Die Auszeichnung mit dem SPECTRUM Internationaler Preis für Fotografie würdigt die stilbildende Kraft ihres OEuvres und die künstlerische Konsequenz, mit der Rineke Dijkstra die Auseinandersetzung mit dem fotografischen Porträt in ihren filmischen Arbeiten fortführt. 
 
Jury
Florian Ebner (Centre Georges Pompidou, Paris), Michael Hering (Staatliche Graphische Sammlung, München), Beatrix Ruf (ehemals Stedelijk Museum Amsterdam), Inka Schube (Sprengel Museum Hannover), Joachim Werren (ehemals Stiftung Niedersachsen)
 
Preisträgerausstellung
Vom 27. Januar bis 6. Mai 2018 wurde Rineke Dijkstra mit der Ausstellung „FIGUREN. Rineke Dijkstra und die Sammlung des Sprengel Museum Hannover” geehrt. Für ihre Ausstellung im Sprengel Museum Hannover hat die Künstlerin erstmals eine Präsentationsform entwickelt, die auf einem Dialog von ausgewählten Werken ihres eigenen OEuvres mit Werken aus der museumseigenen Sammlung aufbaut. In der Konfrontation von Fotografien aus den frühen neunziger Jahren (zum Beispiel die „Beach Portraits“) und aktuellen Arbeiten mit Gemälden von Max Beckmann und Alexej von Jawlensky sowie zahlreichen modernen Skulpturen eröffnet sich ein neuartiger Blick auf die spezifische Bildsprache der niederländischen Künstlerin. 

Bisherige Preisträger

2017: Rineke Dijkstra
2015: Hannah Collins/Großbritannien
2013: Boris Mikhailov/Ukraine
2011: Bahman Jalali/Iran
2008: Helen Levitt/USA
2005: Martha Rosler/USA
2002: Sophie Calle/Frankreich
1999: John Baldessari/USA
1997: Thomas Struth/Deutschland
1994: Robert Adams/USA