Schwarzmarkt

für Nützliches Wissen und Nicht-Wissen

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Während eines Schwarzmarktes für Nützliches Wissen und Nicht-Wissen bieten bis zu 100 Experten ihr Wissen zu einem bestimmten Thema in 30-minütigen Vieraugengesprächen an. An Einzeltischen sitzend, erwarten sie ihre Klienten, das Publikum. Dieses hat die Wahl: Das Privileg des Einzelgesprächs nutzen oder doch lieber per Schwarzmarkt-Radio in ausgewählte Gespräche hineinhören und sich im aufmerksamen Zuhören das Wissen oder Können des Anderen aneignen. Es entsteht so für einen Abend ein gemeinsamer Diskursraum, in dem Lernen und Verlernen, Wissen und Nicht-Wissen, Lebens- und Überlebensstrategien auf nicht-institutionellem Weg ihren ‚Besitzer' wechseln.
 
Die Stiftung Niedersachsen überträgt das international erprobte Konzept der Schwarzmärkte ab Herbst 2017 auf Niedersachsen und sucht dafür Partnerinstitutionen, die das Konzept im Lizenzverfahren ausprobieren wollen. Thematischer Schwerpunkt der Schwarzmärkte ist die neue Einwanderungsgesellschaft.

Das Konzept

Jeder Schwarzmarkt für Nützliches Wissen und Nicht-Wissen folgt einem festgelegten dramaturgischen, administrativen und organisatorischen Ablauf. Die Vorbereitung benötigt etwa 17 Wochen. Während dieser Zeit erfolgt die Recherche nach den jeweiligen Experten, die wenn möglich einen regionalen Bezug haben sollen. Etwa einen Monat benötigt die produktionstechnische Vorbereitung. Die Bühnen- oder Raumarchitektur der Schwarzmärkte ist vorgegeben, nicht beliebig und stützt das Prinzip des Anbietens, Kaufens, Verkaufens und die Idee einer theatralen Wissensinstallation. Dazu gibt es festgelegte Rollen und Kostüme für die Verkäufer, Betreuer und Helfer rund um den Schwarzmarkt.
 
Experten im Kontext der Schwarzmärkte sind alle Menschen, die über ein spezifisches, thematisches Wissen verfügen. So können Experten der Einwanderungsgesellschaft beispielsweise Flüchtlingspaten, Geflüchtete, Sprachlehrer, Fußballtrainer, Pfarrer, Zollbeamte, Philosophen, Soziologen, Historiker sein. Ihr gemeinsames Wissen wird zur Basis eines interdisziplinären Netzwerkes.

Was ein Schwarzmarkt für Nützliches Wissen und Nicht-Wissen alles sein kann:

ein erzählerisches Format der Wissensvermittlung zu einem bestimmten Thema
ein kollektives Kommunikationsmodell
ein Treffen von Wissenschaft, Alltagswissen und Expertentum
eine analoge Form von Wikipedia
eine Bühne für lokales Wissen
ein performativer Schau- und Produktionsraum der Wissensvermittlung
ein stetig wachsendes Online-Audio-Archiv

Die Lizenz

Lizenzen sind aus Industrie, Handel oder Jagdrevieren bekannt, im Kunstbereich sind sie aber eher selten. Theaterstücke, Kunstwerke und Konzepte sind gewöhnlich an ihre jeweiligen Erfinder, Autoren oder Macher gebunden. Geistiges Eigentum ist durch das Urheberrecht geschützt. Die Mobile Akademie Berlin um die Drama­turgin Hannah Hurtzig hat eine originäre Inszenierung der Wissensvermittlung entwickelt und in den letzten Jahren als Format etabliert, das übertragen werden kann an andere Kuratoren und Kollegen, die es sich aneignen und in Eigenregie einen Schwarzmarkt für Nützliches Wissen und Nicht-Wissen umsetzen können. Die Stiftung Niedersachsen hat sich dieser Idee eines Kunstnutzungsrechts angenommen und bietet ab Herbst interessierten Lizenznehmern an, das „Schwarzmarkt-Format“ zu kopieren und Schwarzmärkte des Nützlichen Wissens und Nicht-Wissens rund um das Thema Einwanderungsgesellschaft zu realisieren.

Die Förderung

Die Stiftung Niedersachsen vergibt Schwarzmarkt­lizenzen an interessierte Institutionen und Initiativen aus ganz Niedersachsen.  
 
Das Lizenzangebot umfasst Schulungen, Workshops und ein umfassendes Handbuch der Mobilen Akademie Berlin, in denen das notwendige Wissen weitergegeben wird, um einen Schwarzmarkt selbstständig durchführen zu können. Die Lizenz beinhaltet die Schulung von Recherchetechniken sowie eine Einführung in die spezifische Dramaturgie und Organisation des Schwarzmarkts. Insgesamt übernimmt die Stiftung bis zu 75 % der Gesamt­kosten eines jeden Schwarzmarktes. Die restlichen Kosten können durch Eigenmittel, Eigen­leistungen oder Drittmittel der Partnerinstitutionen gedeckt werden.

Die Urheber

Die Mobile Akademie Berlin arbeitet seit ihrer Gründung im Jahr 1999 durch die Kuratorin, Kopistin und Künstlerin Hannah Hurtzig mit wechselnden Kollaborateuren im Zwischenbereich von Kunst und Wissenschaft, Expertise und Alltag. Sie inszeniert Bühnenauftritte und Versammlungsstätten des Wissens, in denen Sprechakte aus unterschiedlichen Disziplinen in performativen Architekturen zur Aufführung kommen. In den letzten Jahren entstanden verschiedene kollektive Lern- und Produktionsräume zur Wissensvermittlung sowie performative Installationen zur Rhetorik des Dialogs und der Kunst der Konversation. 
 
Der Schwarzmarkt für Nützliches Wissen und Nicht-Wissen ist das erfolgreichste künstlerische Projekt der Mobilen Akademie Berlin. Er gastierte in den letzten 10 Jahren in 12 Ländern und machte unter anderem Station in Paris, Riga, Wien, Liverpool, Dresden, Berlin und Hamburg. Zudem wurden in die Städte Amsterdam, Graz und Mannheim Lizenzen verkauft. Schwarzmärkte fanden unter anderem zu folgenden Themen statt: Die Gabe und andere Verletzungen des Tauschprinzips; 100 Gespräche über das Schweigen; Unser Geld – über die allmähliche Entstofflichung eines Tauschmittels; Das Andere der Vernunft, zeitgenössische Spekulationen zum Romantischen. 
Für Fragen rund um den Schwarzmarkt für Nützliches Wissen und Nicht-Wissen sowie die Lizenzvergabe wenden Sie sich bitte an: 
 
Dr. Gesa Schönermark
Musik, Literatur, Bildung, Wissenschaft 

Telefon: (0511) 9 90 54-17 

schoenermark@stnds.de
 
FOTOS: (c) Mobile Akademie Berlin