Kunstraum Tosterglope

Von Haus zu Haus #2, von KUNSTRAUM TOSTERGLOPE (Landkreis Lüneburg)

In der Findungsphase des Projektes gingen die Hamburger Künstler Brigitte Raabe, Michael Stephan und Piet Trantel 2012 von Haus zu Haus und stellten den Bewohnern von Tosterglope und seinen Ortsteilen die Fragen: Wie lebt ihr hier? Welche Wünsche für die Zukunft habt ihr? So entstanden Ideen und Pläne für das Gemeinschaftlsleben in der kleinen Gemeinde. Insbesondere der Wunsch, die vier Ortsteile stärker zu verbinden, war ein Anliegen des neu gewählten Dorfrates. Mit seinem Bürgermeister begleitet seitdem der Rat von Tosterglope die Kulturinitiative. Arbeitsgruppen wurden gebildet, die einige klassische Schwerpunktthemen wie Streuobstwiese, Wanderwege zwischen den Ortsteilen, Spielwiese und Boule-Bahn sowie gemeinsames Musizieren mit dem Künstlerkollektiv erörterten. Am aktivsten engagierten sich die Interessenten an einem Dorfgemeinschaftshaus. Langsam reifte hierfür ein Plan und es entwickelten sich Ideen für den Standort dieses Gemeinschaftshauses. Das in Frage kommende Gebäude war die große Scheune auf dem Vereinsgelände von KUNSTRAUM TOSTERGLOPE. Kindergarten und Feuerwehr liegen mit ihren Fördervereinen in direkter Nachbarschaft. Dieses Gebäude wurde zunehmend im sachlichen Kontext mit dem Kunstverein für die Planung untersucht.

Nun ist die zweite Phase – die Identifikationsphase – eingeläutet. 2014 werden fünf Performances der Künstler Raabe, Stephan und Trantel zu Grundbegriffen wie Feuer, Erde, Holz, Metall, Wasser gemeinsam mit Bürgern der Gemeinde an verschiedenen zentralen Orten erspielt. Die wichtigsten Dorfthemen werden dabei aufgegriffen. Die erste Station war inzwischen das Museumsfest auf dem Gelände des Kunstvereins in Tosterglope, kombiniert mit einer Tisch-Performance zum Thema Feuer und Erde.

Zusätzlich ist der Architekt Thomas Müller (Hamburg) mit seinem Projekt „FOLINGE“ beteiligt an den Aktivitäten von KUNSTRAUM TOSTERGLOPE bei der Gründung eines soziokulturellen Ortes. Der Begriff FOLINGE ist eine Verbindung von Findlinge und dem französischen Fou (der Narr, der Verrückte). Thomas Müller entwickelt Fundamente für freie, verrückte Ideen, die von den Tostergloper Bürgern (unter seiner Anleitung) entwickelt werden. An beliebten Stellen im Bereich der vier Ortsteile der Gemeinde Tosterglope entstehen solche „Ideen-Fundamente für Luftschlösser“. Deren Positionen werden in Ortsplänen eingetragen und dokumentiert.

Und schließlich hat der Architekturstudent Henrik Schoop – gebürtiger Tostergloper – für seinen Bachelor-Abschluss einen Sanierungsplan für die Kunstraum-Scheune erarbeitet, auf dessen Grundlage eine Verknüpfung von Museum und Gemeinschaftshaus vorstellbar und im Modell schon anschaulich wird.

KUNSTRAUM TOSTERGLOPE ist seit 2002 der Kunstverein in absoluter Off-Lage in einem Dorf mit 270 Einwohnern. Der Verein hat sich neben seinem umfangreichen Konzert- und Ausstellungsprogramm auf verschiedene Formate der künstlerischen Kunstvermittlung (auch an den umliegenden Schulen des Landkreises Lüneburg) spezialisiert und hat damit einen wichtigen Schritt in Richtung Partizipation gemacht. Die Kulturstätte KUNSTRAUM TOSTERGLOPE wird nun von vielen Seiten und von vielen Menschen erforscht und aktiv bestärkt. So lassen die begleitenden Überlegungen von Benjamin Meyer-Krahmer (Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig) zum Museum für Alles (Museum als Kontaktzone der Benutzer im Kunstverein) erkennen, welche Potenziale im Hinblick auf Soziokultur in der langfristigen Planung eines Museums in Tosterglope liegen, das von der Versammlungsstätte und vom Laden für Alles her gedacht wird. Eine Kontaktzone, in der die Frage aufgeworfen wird: „Wer wollen wir gewesen sein?“ (Harald Welzer)