Kranichschreie

»Die Entdeckung der Sinnlichkeit. All inklusiv: Alte Meister – schräge Töne«
 
1734 schrieb J.S. Bach die Kaffeekantate „Schweigt stille, plaudert nicht!“, in der ein Generationskonflikt zwischen Vater und Tochter, sowie der Genuss von Kaffee als Unsitte besungen wird. Das klassische Thema „Gehorsamkeit“ wird in die heutige Zeit transformiert und anhand von eigenen Interpretationen von hörenden und gehörlosen Jugendlichen auf der Bühne dargestellt. Die Jugendlichen erarbeiten neue Texte und komponieren gemeinsam mit Musikern eigene Musik. Zusätzlich wird ein Gebärdenchor gegründet, der die Gesangsstücke der Kaffeekantate in Gebärdensprache übersetzt. Hörende Jugendliche lernen im Verlauf des Projektes lautsprachbegleitende Gebärden (dabei wird jedes Wort mit einer Gebärde bedacht) um gemeinsam mit gehörlosen Jugendlichen eigene Texte in einer Gebärdensprachpoesie auf die Bühne zu bringen. Gemeinsam werden die Kompositionen mit Cembalo, E-Gitarren, Kaffeemühlen und anderen Küchengeräten inszeniert und dargestellt. Die Bühnensprache entwickelt sich experimentell durch Improvisationen im Verlauf des Projektes.
 
Kunststudierende werden zusätzlich gemeinsam mit den Jugendlichen Installationen mit Lichtreflexen entwickeln, die einerseits das gemeinsame Musizieren, Theaterspielen und Agieren auf der Bühne regeln und sich zugleich als Kunst und Bühnenbild verstehen. Das Projekt »Die Entdeckung der Sinnlichkeit« ist ein Forum für die Belange von hörenden und gehörlosen Jugendlichen und entwickelt Möglichkeiten kultureller Teilhabe.
 
Projektteam: Majanne Behrens, Jürgen Stahmann
Kooperationspartner: Landesbildungszentrum für Gehörlose in Oldenburg, Hochschule für Künste in Bremen, Gehörlosenverein Oldenburg, Universität Oldenburg und Bremen ( Theaterpädagogik und Kulturwissenschaft), Bundesarbeitsgemeinschaft hörbehinderter Studenten, Bundesverband der Gebärdensprachdolmetscher, Hildegard von Bingen Gymnasium Twistringen, Kreismusikschule des Landkreises Diepholz
 
Kranichschreie – Sinnstiftung und kreatives Handeln
 
Die Kranichschreie-Sinnstiftung wurde 1997 zur Durchführung von Projekten und Veranstaltungen zur Förderung von benachteiligten Menschen von dem Künstlerpaar Majanne Behrens und Jürgen Stahmann in Bassum gegründet. Zielgruppen und Teilnehmer der Projekte sind insbesondere: Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene und Senioren, Menschen mit Handicap.
Die Teilnehmer werden bereits bei der Entwicklung der Projekte, die größtenteils Modellcharakter haben, mit einbezogen. Die Umsetzung erfolgt in den Bereichen Musik, Kunst, Theater und Film. Inhaltlich handelt es sich um folgende Themen:
 - Projekte, die Lösungen zum Thema Inklusion anbieten
 - Heimatkundliche Projektarbeit mit Jugendlichen und Senioren
 - Projekte zum demografischen Wandel
 - Projekte zu verschiedenen Fragen der Umwelt- und Gesundheitsbildung
 
Die Projekte werden von Majanne Behrens und Jürgen Stahmann sowie mit projektbezogenen Honorarkräften und/oder Künstlern durchgeführt. Es gibt keine hauptamtlichen Mitarbeiter und die Kulturarbeit wird über Fördermittel, Spenden und ehrenamtliches Engagement geleistet. Diese Arbeit wurde u.a. mit folgenden Preisen ausgezeichnet:
2004 „Zwölf Uhr Middach“ – Landwestern mit Handicap,
Preisträger beim Kurzfilmwettbewerb im Rahmen der Umweltfilmtage in Bremen
2005 „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2004“ für ein inklusives Projekt „Mensch als Mensch“
2008 Kulturpreis des Landkreises Diepholz