Kupferrausch

Johann Elias Ridinger, Vier Fuchsköpfe und drei Wolfsköpfe (Ausschnitt)

 

Die Stiftung Niedersachsen übergibt dem Herzog Anton Ulrich-Museum 104 Druckplatten des Graphikers Johann Elias Ridinger als Dauerleihgabe

Er war der bedeutendste Meister von Tier- und Jagddarstellungen und einer der virtuosesten deutschen Radierer und Kupferstecher des 18. Jahrhunderts: der Augsburger Künstler Johann Elias Ridinger (Ulm 1698-1767 Augsburg). Sein druckgraphisches Werk ist im Kupferstichkabinett des Herzog Anton Ulrich-Museums bereits sehr gut vertreten.

 

Nun wird dieser Bestand – und damit zugleich die bisher 150 Stücke umfassende Druckplatten-Sammlung des Museums – bereichert durch 104 Kupferplatten Ridingers. Dieser Kupferschatz wird dem Museum von der Stiftung Niedersachsen als Dauerleihgabe übergeben. Aus dem Nachlass Ridingers waren die Platten im 19. Jahrhundert von dem Verleger Louis Maria Rocca erworben worden, in dessen Familie sie bis zur Erwerbung durch die Stiftung Niedersachsen verblieben.

 

Entscheidend geprägt wurde der junge Ridinger durch die Jagd und Reitschule beim Grafen Metternich in Regensburg. Nach Augsburg zurückgekehrt, bildete er sich an der reichsstädtischen Akademie bei dem Schlachtenmaler und Radierer Georg Philipp Rugendas weiter. Seit 1723 führte er seinen eigenen Graphikverlag und ab 1759 wirkte er als Direktor der Augsburger Akademie.

 

Die Druckplatten eröffnen faszinierende Einblicke in Ridingers Umgang mit den graphischen Techniken und veranschaulichen den Weg von der Zeichnung zum gedruckten Bild. Sie lassen erkennen, wie Ridinger die mit der Nadel locker in den Ätzgrund gezeichnete Radierung und den mit dem Grabstichel systematisch in die Platte gegrabenen Kupferstich im Laufe seiner Karriere immer virtuoser miteinander kombinierte.  Das Ergebnis sind Tierdarstellungen voller Naturnähe und Lebendigkeit, für die Ridinger weithin bewundert und gesammelt wurde.

 

Die Plattensammlung lässt die künstlerische Entwicklung und die thematische Vielseitigkeit Ridingers innerhalb der Tierdarstellung hervortreten. Sie reicht von seiner frühen „Fürsten Jagd-Lust“ (1729) über das für die Künstlerausbildung zusammengestellte „Neue Zeichnungsbuch“ (1742) und die „Vögel mit allerley biblischen Sprüchen“ (1749) bis zu den nach seinem Tod von seinem Sohn Martin Elias radierten Szenen kurioser „Vorfallenheiten bey der Jagd“.

 

Vom 2. Februar an sind ausgewählte Druckplatten und graphische Blätter im Studienraum des Kupferstichkabinetts ausgestellt (Erweiterungsbau des Museums, Zugang durch das Altgebäude, rechter Treppenaufgang, Museumstraße 1), ergänzt durch Werke anderer deutscher Radierer des 18. Jahrhunderts von Rugendas bis Chodowiecki. Das Kupferstichkabinett ist donnerstags von 14 – 17.30 Uhr ohne Voranmeldung (sonst nach Absprache) zugänglich und kann bei freiem Eintritt besichtigt werden. Eine exemplarische Gegenüberstellung einer besonders schönen Radierplatte und dem davon gedruckten Blatt ist in der Ausstellung EPOCHAL in der Burg Dankwarderode zu sehen. Zusätzlich sind die Druckplatten und Einzelblätter Ridingers im Virtuellen Kupferstichkabinett im Internet zugänglich und können am heimischen Computer studiert werden.