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Morgenland Festival Osnabrück

VIDEO: Morgenland Festival Osnabrück 2010
in cooperation with Flamenco Biënnale Netherlands,
Rosario La Tremendita (vocals)

 

Interview mit Michael Dreyer
Initiator und künstlerischer Leiter des Morgenland Festivals

Das Morgenland Festival fand 2017 bereits zum 13. Mal statt und hat eine große Fangemeinde. Wie kam es 2005 zur Gründung?

Michael Dreyer: Es begann mit einer Mischung aus Neugierde und musikalischer Entdeckungslust. Dazu kam die Erkenntnis, wie unfassbar wenig wir über die (Musik-) Kultur dieser Region wissen. Gibt es Jazz in Syrien? Rockmusik im Iran? Wie klingen Kompositionen aus Aserbaidschan? Die Region ruft unmittelbar positive wie negative Klischeebilder hervor, wir wollten und wollen diesen Bildern ein authentisches und differenzierteres entgegensetzen.

Jedes Jahr liegt der Schwerpunkt auf der Musik eines anderen Landes des Vorderen Orients. 2017 war es der Libanon. Was fasziniert Sie an der Musik dieses Landes? Was möchten Sie, dass die Gäste kennenlernen und mitnehmen?

Michael Dreyer: Das Thema Migration / Flucht / Heimatverlust ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Kaum ein Land kennt dieses Thema so aus beiden Perspektiven wie der Libanon. Unzählige Menschen haben das Land im Bürgerkrieg und bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Hisbollah und Israel verlassen. In den vergangenen Jahren sind fast eine Million Menschen aus Syrien in das Land geflohen. Seit Jahrzehnten leben palästinensische Flüchtlinge, schon in dritter Generation, im Libanon. Was macht das mit den Menschen, welche Rolle spielt Kultur?
Was in den letzten Jahren in der Welt passiert, insbesondere seit dem nicht enden wollenden, katastrophalen Krieg in Syrien prägt natürlich auch unsere Gesellschaften. Was ist eine Kultur, die sich nicht auf gesellschaft­liche Realitäten bezieht? Ich finde Kultur spannend, die mit den Menschen heute zu tun hat. Und heute hat unser Leben viel mit dieser Region zu tun. Das war immer schon so, aber jetzt noch weit mehr als etwa beim ersten Morgenland Festival 2005.


Seit Gründung findet das Morgenland Festival in der Friedensstadt Osnabrück statt. Was zeichnet Osnabrück als Festivalort aus?

Michael Dreyer: Osnabrück ist tatsächlich ein fantastischer Standort für das Morgenland Festival. Das Publikum ist über die Jahre mit uns gewachsen. Wo auf der Welt hören 700 Menschen uigurische tradi­tionelle Musik? Nicht mal in Urumchi, der Hauptstadt der autonomen uigurischen Region in Nordwestchina. Die Musiker lieben die Stadt, die Kulturinstitutionen untereinander sind wundervoll kooperativ. Und es ist die Stadt der kleinen Wege. Wer aus Kairo, Damaskus oder Teheran nach Osnabrück kommt, ist begeistert von dem Charme der Friedensstadt, die dieses Logo tatsächlich auch mit Inhalten zu füllen versteht. Morgenland und Osnabrück sind wirklich untrennbar miteinander verbunden
.

Wenn Sie schon jetzt auf die 14. und 15. Ausgabe blicken könnten, welche Pläne und Wünsche haben Sie für die Zukunft des Morgenland Festivals?

Michael Dreyer: Über die Jahre ist ein immenses Netzwerk entstanden, das bis heute etwas Familiäres beibehalten hat. Ich wünsche mir, dass wir weiterhin hochprofessionell und gleichzeitig unprätentiös und familiär bleiben können. Genaue Pläne für die kommenden Jahre verrate ich hier nicht. Aber das Morgenland Festival war immer auch ein Ort der musikalischen Neuentdeckungen, und das soll es ganz sicher bleiben!

Eckdaten Förderung

Förderzeitraum: seit 2005
Förderpartner: Morgenland Festival Osnabrück e. V.

Weitere Informationen unter www.morgenland-festival.com

Das Morgenland Festival 2017 fand vom 16. bis 25. Juni in Osnabrück statt. Vom 27. bis 30. Juni gastieren die Morgenland All Star Band, der Osnabrücker Jugendchor und DJ Ipek in Beirut und Tripoli.